RICS und IRE|BS veröffentlichen europäische Nachhaltigkeitsstatistik „Grün kommt!“

Steigerung der Nachhaltigkeitszertifikate europaweit um 16 Prozent
Wachstum besonders in Deutschland, Großbritannien und Frankreich

Gruen kommt

Die Professional Group (PG) Sustainability der RICS Deutschland und das IRE|BS Kompetenzzentrum für Nachhaltigkeit in der Immobilienwirtschaft der Universität Regensburg haben den aktuellen Stand zu Nachhaltigkeitszertifikaten in Europa ausgewertet und ein gemeinsames Papier verfasst.

Die nunmehr fünfte Erhebung zu den europäischen Nachhaltigkeitszertifikaten belegt die ungebrochen hohe Attraktivität der Zertifikate und das Wachstum des Zertifizierungsmarktes. Neben der Nachfrage von nationalen und internationalen Investoren sind die ambitionierten Klimaziele mit den Einsparpotenzialen für die Immobilienwirtschaft ein wesentlicher Treiber für verbesserte Vergleichbarkeit und erhöhte Transparenz, beispielsweise zum CO2-Fussabdruck.

Darüber hinaus bietet das erstmals in wissenschaftlicher Kooperation mit Prof. Dr. Sven Bienert MRICS vom IRE|BS Kompetenzzentrum für Nachhaltigkeit in der Immobilienwirtschaft erarbeitete Papier eine Einordnung zu den aktuellen Entwicklungen des Themas Sustainability.

Die hohe Attraktivität von Nachhaltigkeitszertifikaten – insbesondere im Bereich der Neubauten und vorwiegend in sehr guten Lagen – ist für Marktakteure nach wie vor gegeben. Eine Entscheidung für oder gegen ein spezielles Zertifizierungssystem ist mittlerweile jedoch weniger in den zugrundeliegenden Bewertungskriterien begründet, sondern vielmehr der jeweiligen Akzeptanz und Nachfrage von nationalen bzw. internationalen Investoren geschuldet – das Phänomen der Doppelzertifizierung unterstreicht diesen Trend.
Je mehr Nachhaltigkeitseigenschaften als Standard wahrgenommen werden bzw. je stärker mittelfristig auf die Einhaltung internationaler wie nationaler Klimaziele geachtet werden muss, desto stärker spielt das Thema „future proof Asset“ eine entscheidende Rolle. Um mögliche „grey Discounts“ und „stranded Assets“ zu verhindern, d.h. Immobilien, die eben nicht mehr die zukünftigen Anforderungen in Bezug auf Nachhaltigkeit erfüllen und dann gegebenenfalls mit einem Abschlag gehandelt werden, bearbeiten einzelne Marktteilnehmer ihre Portfolios bereits proaktiv. Investitionen in die gezielte Dekarbonisierung des Bestandes kristallisieren sich zunehmend als wesentliches Handlungsfeld heraus.

Die zentralen Ergebnisse von „Grün kommt!“ im Überblick:

Zertifizierungsmarkt im Wachstum – Die Immobilienbranche investiert ungebrochen in Nachhaltigkeitszertifikate. Derzeit sind europaweit rund 22.500 Immobilien mit einem Nachhaltigkeitszertifikat ausgezeichnet, dies entspricht einer Steigerung zum Vorjahreszeitraum von 16 Prozent. Insbesondere Deutschland, Großbritannien und Frankreich erzielten bei den Zertifikaten und Vorzertifikaten für Neubauten und Sanierungen ein deutliches Wachstum.

Zertifikate aber kein Massenprodukt – Zertifizierte Gebäude sind im Verhältnis zur Neubautätigkeit und den Bestandsbauten nach wie vor ein Nischenprodukt. Der Fokus liegt klar auf großvolumigen Gewerbeimmobilien.

Pro oder Contra Labelauswahl – Die Teilmarktrelevanz und der angesprochene Investorenkreis sind zentrale Auswahlkriterien für ein bestimmtes Nachhaltigkeitslabel. Die Zunahme an Doppelzertifizierungen (jeweils nationales und internationales Label) unterstreicht diese These.

Survival of the fittest auch bei Zertifikaten – Marktverdrängungen, Konzentrationsprozesse sowie der Druck durch weiterentwickelte Labels und Zusatznutzen prägen den Zertifizierungsmarkt. Dies forciert den Ausleseprozess in den kommenden Jahren.

„WELL Standard“ greift Markttrend auf – Der neue „Well Building Standard“ konzentriert sich auf die Themen Gesundheit sowie Wohlbefinden im Arbeitsumfeld und reagiert damit auf einen allgemeinen gesellschaftlichen Wandel.

Wirtschaftliche Nutzungsdauern sinken – Wandelnde Nutzerpräferenzen, erhöhte technische Anforderungen, fortschreitender Innovationsdruck und damit einhergehende (hohe) Zertifikateanforderungen wirken zunehmend als Katalysator für einen verkürzten Immobilienlebenszyklus. Die Flexibilität bei der Bauweise und den Baumaterialien sowie die frühzeitige Integration von Maßnahmen zur Erreichung der Klimaziele können die Verlängerung der wirtschaftlichen Nutzbarkeit positiv beeinflussen.

Benchmarking, Datensammlung und CO2-Fussabdruck – Big Data und Data Mining sind in Zusammenhang mit Verbräuchen und Einsparungspotenzialen in der Immobilienbranche Megathemen, um ambitionierte Klimaziele zu erreichen. Benchmarkinginitiativen (wie beispielsweise GRESB, GRA, Greenprint, CDP, ZIA-Benchmarkingleitfaden etc.) forcieren dabei die verbesserte Vergleichbarkeit und erhöhte Transparenz. Die Bedeutung der Thematik CO2-Fussabdruck nimmt dabei sukzessive zu.

Green Premium existent – Der ökonomische Vorteil von nachhaltigen Immobilien im Vergleich zu konventionellen Gebäuden wird durch eine Vielzahl an empirischen Studien bestätigt. Die Ergebnisse beziehen sich auf die Zahlungsbereitschaft sowie Miet- und Kaufpreise.

Grey Discount als „Ausblick“ – Es zeichnet sich ab, dass Abschläge für eine schlechte Nachhaltigkeitsperformance zunehmen werden, je mehr nachhaltige Eigenschaften in der Immobilienbranche als „State of the Art“ angesehen werden.

Stranded Assets und Dekarbonisierung – Striktere gesetzliche Anforderungen an Gebäude im Rahmen von Klimastrategien erhöhen den Druck auf Portfolios ohne entsprechende Dekarbonisierungsstrategie. Die Gefahr von nicht mehr marktgängigen Assets, so geannten „Stranded Assets“, nimmt zu. Klare Dekarbonisierungsstrategien leiten sich direkt aus den nationalen Zielen für 2050 ab und sollten sukzessive im Asset Management integriert werden.

2-degree-ready Portfolio – Immobilienbestände, die die notwendigen Weichenstellungen zur Dekarbonisierung ihres Bestandes einhalten, können als „future proof“ angesehen werden.

Ansprechpartner:

Judith Gabler
Director of Operations, Europe
Regional Manager, DACH
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