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News & opinion

4 JUL 2018

Professional Group Dispute Resolution neu formiert

Die RICS fördert seit über 40 Jahren erfolgreich den Einsatz von alternativen Konfliktlösungsinstrumenten wie Mediation und vermittelt eigens dafür ausgebildete Fachleute. Die Professional Group Dispute Resolution (PGDR) der RICS in Deutschland hat sich im Februar des Jahres neu formiert.

Zur Vorsitzenden wurde Andrea Jost FRICS (AJ) gewählt, die sich vormals bereits im deutschen Vorstand sowie in der Professional Group Asset Management engagiert hat. Zur Stellvertreterin wurde Regina Bohla FRICS (RB) benannt, die seit Jahren die RICS Regionalgruppe in Hamburg leitet. Die beiden Immobilienexpertinnen stellen sich im Interview unseren Fragen.

Was bewegt Sie dazu, sich in der PGDR zu engagieren?

RB: Ich bin seit einigen Jahren Wirtschaftsmediatorin. Die außergerichtliche Streitbeilegung ist mir zu einem echten Anliegen geworden. Nach meiner Beobachtung ist die Immobilienbranche in vielen Bereichen sehr „konfliktfreudig“. Diese Konflikte außergerichtlich auszutragen, um langfristige Geschäftsbeziehungen aufrechtzuerhalten, eine vernünftige Gesprächskultur zu kultivieren etc., das sind für mich interessante Aspekte einer Mitarbeit in dieser PG.

AJ: Als Business Mediator RICS der ersten Stunde habe ich großes Interesse daran, das Thema neu aufzustellen und insb. den internationalen Kontext der RICS zu nutzen, um alternative Streitlösungsmodelle in Deutschland „salonfähiger“ zu machen. Ich bin überzeugt davon, dass ein gutes Konfliktmanagement und die entsprechenden Kommunikations- und Verhandlungs-Skills helfen, immobilienwirtschaftliche Fragestellungen effektiver zu gestalten, Opportunitätskosten einzusparen und einen besseren kooperativen Umgang in bzw. zwischen den Unternehmen zu schaffen.

Wie setzt sich die neue PGDR zusammen?

AJ: Aus Immobilienprofis, die aus den unterschiedlichsten Bereichen kommen. Fast alle haben zusätzlich zu ihrem „Hauptberuf“ eine Mediationsausbildung absolviert, zudem haben sie im Laufe ihres Berufslebens umfangreiche Erfahrungen im Umgang mit Konflikten gesammelt.

Welche Pläne hat die PGDR für die nächsten Monate?

RB: Aktuell erarbeiten wir eine Umfrage, die wir in unserem Netzwerk zirkulieren möchten. Ziel ist es, einen Marktüberblick zu erhalten, welche Verbreitung außergerichtliche Streitbeilegung tatsächlich in der Branche hat, wie hoch der Bekanntheitsgrad ist etc., so dass wir fokussiert an der Performance von ADR arbeiten können.

Was sind die wichtigsten aktuellen Entwicklungen in Sachen Mediation?

AJ:  Zum einen ist die Bezeichnung „Zertifizierter Mediator“ seit 2012 durch § 5 Abs. 2 des Mediationsgesetzes gesetzlich geschützt. Seit dem 1. September 2017 ist die ZMediatAusbV in Kraft getreten und regelt die Voraussetzungen für die Nutzung der Berufsbezeichnung.

Zum anderen gibt es zahlreiche Entwicklungen, die klassische Präsenzmediation abzuwandeln. Formate wie telefonische Shuttle-Mediation etablieren sich im Tagesgeschäft von Rechtsschutzversicherungen, Online-Mediationen werden als zeit- und ressourcensparend empfunden. Bau- bzw. projektbegleitende Mediationen oder Mediations-Coaching im Vorfeld von insbesondere Güterichterterminen etablieren sich mehr und mehr.

Welches Standing hat außergerichtliche Konfliktlösung/Mediation derzeit in der Immobilienbranche?

AJ: Im Vergleich zu 2008, als ich meine Ausbildung zum Business Mediator RICS absolviert habe, ist das Instrument bekannter geworden - nur genutzt wird es leider auch heute noch viel zu selten. Bau- und immobilienwirtschaftliche Konflikte sind in der Wahrnehmung immer noch "normal" und werden in ihrer Entstehung bzw. in Bezug auf eine optimale Lösung selten hinterfragt. Deutschlandweit werden jährlich über 50.000 Bauverfahren durchgeführt, deren durchschnittliche Laufzeit mehr als 40 Monaten beträgt!
Wo sehen Sie die außergerichtliche Konfliktlösung, insbesondere Bau- und Immobilienmediation, in 10 Jahren?

RB: Mein Wunsch wäre, dass sich Mediation zum Streitlösungsinstrument in unserer Branche etabliert. Die Gerichte sind voll, die Richter überlastet, der Gang durch die Instanzen dauert lange und ist enorm teuer. Anschließend gibt es meist nicht nur einen Verlierer, sondern alle Seiten müssen Federn lassen. Dieser Missstand ließe sich durch Mediation erheblich verbessern.

AJ: Meine Vision ist, dass aktives Konflikt-Management für die Branche genauso selbstverständlich geworden ist wie die Etablierung eines Risiko-Managements. Das heißt, dass grundsätzlich vor dem Gang zu Gericht eine Analyse der Konfliktursachen sowie eine fundierte Bewertung aller Streitbeilegungsoptionen erfolgt.

Welchen Anspruch haben Sie persönlich an eine Mediationsausbildung bzw. an außergerichtliche Konfliktlösung?

AJ: Als Immobilienprofi und vollberufliche Mediatorin ist es mein Anspruch, den involvierten Parteien ressourcenschonende Wege aufzuzeigen, ihre Konflikte eigenverantwortlich mit Hilfe von strukturierten Verfahren zu lösen. Daher muss der Schwerpunkt einer qualitativ hochwertigen Mediationsausbildung auf der praktischen Umsetzung der erworbenen Skills liegen. Hierzu gehört für mich, dass neben den klassischen Fallbeispielen eigene Fälle durchgearbeitet werden. Supervision, Reflexion, Peergroups, erfahrene Trainer mit Branchenkenntnis, runden das Bild einer optimalen Ausbildung ab.

RB: Die Ausbildung muss auf einem hohen (Präsenz)Niveau, mit erfahrenen Praktikern vorzugsweise aus der Branche, erfolgen. Es ist essentiell, in Fallbeispielen zu trainieren, mit Peergroups zu arbeiten, sich auszutauschen. Interessant wäre es, wenn wir als RICS ausgebildeten Mediatoren Vertiefungstrainings zur Spezialisierung auf unsere Branche anbieten könnten.